Grundlegende Empfehlungen zur Heizungsmodernisierung

Freitag, April 5, 2019

Wie die Umstellung auf eine CO2-freie Wärmeversorgung gelingt

Grundlegende Empfehlungen zur Heizungsmodernisierung

Derzeit wird die Heizungsmodernisierung und der Umstieg auf Erneuerbare Energien-Heizungen so gut gefördert, wie noch nie.

Bei KfW und BAFA gehen die meisten Förderanträge für Heizungsoptimierungen, für das KfW-Heizungspaket und für Biomasseheizungen, Wärmepumpen, Solarthermieanlagen sowie Brennstoffzellenheizungen ein. Wer den Antrag vor Beginn der Heizungsmodernisierung stellt und sich an die Förderbedingungen hält, kann i.d.R. von einem vierstelligen Zuschuss profitieren. Förderauskunft und Förderservice helfen dabei, sich die Fördergelder zu sichern. Doch Hilfe, Information und Beratung sind oft schon vorher gefragt. Steht die Erneuerung der Heizung nach spätestens 20 bis 30 Jahren Betriebsdauer an, sind Hauseigentümer bei der Wahl der neuen Heiztechnik oft ratlos. Auch Heizungsinstallateure und Energieberater teilen unterschiedliche Auffassungen, welche Heizung die beste, günstigste und umweltfreundlichste ist.

Positionspapier der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg KEA 

Wie Hauseigentümer die Umstellung auf eine CO2-freie Wärmeversorgung gelingt, zeigt ein Positionspapier der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg KEA und sieben weiteren Forschungsinstituten und Hochschulen. Das Papier „Grundlegende Empfehlungen für Sanierung und Erneuerung von Heizungsanlagen“ richtet sich an Gebäudeeigentümer, Investoren, Installateure sowie Energieberater und beinhaltet grundlegende Empfehlungen für zukunftsfähige Heizungsanlagen.

Klar ist: Für die Erneuerung oder Modernisierung einer Heizungsanlage in Bestandsgebäuden lässt sich keine einfache und für alle Fälle geltende Antwort geben. Die Heizungserneuerung steht und fällt mit den technischen und baulichen Möglichkeiten und Grenzen, der Wirtschaftlichkeit in Anschaffung und Betrieb sowie den Effizienz- und Energieeinsparmöglichkeiten. Eine „Ideallösung“ stellt die Sanierung von Gebäudehülle in Verbindung mit einer CO2-freien Wärmeerzeugung dar. Ist dies in einem Schritt nicht möglich, kann eine mittel- und langfristige Strategie z. B. in einem Sanierungsfahrplan entwickelt und in mehreren Stufen umgesetzt werden.

Grundlegende Empfehlungen für Sanierung und Erneuerung der Heizungsanlage

  • Wichtig ist, bei der Heizungserneuerung nicht nur den Wärmeerzeuger sondern das Gesamtsystem aus Erzeugung, Verteilung, Heizflächen, Regelung und Warmwasserbereitung zu betrachten und dies als Gesamtsystem zu optimieren. Dabei ist „Efficiency first“ ist die Prämisse.
  • Die Optimierung von Anlagenhydraulik, Regelung, Heizungsumwälzpumpen und Heizflächen bringt wesentliche Effizienzverbesserungen, die im Einzelfall höher sein können als die eines neuen Wärmeerzeugers.
  • Niedrige Heizflächentemperaturen bedeuten Flexibilität bei der Erzeugung. Dies kann zunächst durch Verbesserung des baulichen Wärmeschutzes, im Einzelfall aber auch durch die Vergrößerung von Heizflächen oder den Einbau von Flächenheizungen erreicht werden.

Welche Alternativen zu fossil betriebenen Heizkessel werden sich zukünftig durchsetzen?

Welche Alternativen es gibt, zeigt und erläutert das Positionspapier: Wärmenetze, Kraft-Wärme-Kopplung, Holzpellet-, Holzhackschnitzel- und Scheitholzheizkessel, Solarthermie, Photovoltaik und Wärmepumpen. Als Einzelheizungen sehen die Autoren in der Zukunft vermehrt Wärmepumpensysteme. Wie sich dabei das Verhältnis von erdgekoppelten Anlagen zu Luft-Wasser-Wärmepumpen entwickeln wird, ist allerdings derzeit noch offen. Dabei spielt neben der Entwicklung des Strompreises die Frage der zur Verfügung stehenden Strom-Erzeugungskapazität, die Effizienzanforderungen an den Stromeinsatz sowie die Art der Wärmespeicherung eine wichtige Rolle.
Wärmenetze sind insbesondere für verdichtete, innerstädtische Quartiere ein wichtiges Infrastrukturelement und eröffnen eine Vielzahl von Versorgungsoptionen.

Kostenentwicklung und Wirtschaftlichkeit

Die künftige Kostenentwicklung der verschiedenen Heizsysteme hängt von unterschiedlichen Einflussfaktoren und Randbedingungen ab, die Preisentwicklung ist heute nicht abschätzbar, doch der Trend ist absehbar. Bei steigenden Stückzahlen von innovativen Technologien wie Wärmepumpen oder Brennstoffzellensystemen werden die Preise perspektivisch sinken. Technische Weiterentwicklungen und Effizienzsteigerungen steigern bei gleichen Investitionskosten deren Attraktivität.
Die Wirtschaftlichkeit der unterschiedlichen Heizungssysteme hängt daneben maßgeblich von der Energiepreiseentwicklung ab. Die KEA ist sich sicher: „Eine Bepreisung von CO2-Emissionen kann den verstärkten Einsatz von Effizienztechnologien und den Übergang zu erneuerbaren Energien beschleunigen und ist deshalb im Sinne des Klimaschutzes wünschenswert.“

Foto: Toni Hegewald - pixelio.de