Heizungsexperte im Interview

Mittwoch, Dezember 6, 2017

Hydraulischen Abgleich und beliebte Heiztechniken - Fördervorteile nutzen!

Andreas Schuh, Obermeister der Innung Sanitär Heizung Klempner Klima Berlin im Experteninterview mit www.intelligent-heizen.info

Der Winter steht vor der Tür. Für ein wohlig warmes Zuhause ist eine funktionstüchtige Heizungsanlage, auf die Verlass ist, das A und O. Andreas Schuh, Obermeister der Innung Sanitär Heizung Klempner Klima Berlin steht im Experteninterview des Serviceportals www.intelligent-heizen.info Frage und Antwort.

Solange die Heizungsanlage läuft, sehen die wenigsten Eigentümer einen Grund, irgendetwas zu ändern. Geht die Rechnung auf?

Auch wenn man nicht gleich den Kessel austauschen möchte, die Anlage optimieren sollte man in jedem Fall, z.B. durch einen hydraulischen Abgleich. Der ist im Grunde ein Muss, um die Anlage effizient zu fahren. Nach meinen Erfahrungen liegen die Einsparungen zwischen 10 und 15%. Die Optimierung wird sogar vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit 30% Erstattung auf die Handwerkerrechnung gefördert.

Welche Irrtümer halten sich hartnäckig?

Nach einem hydraulischen Abgleich kommt es häufig zu Missverständnissen. Denn die Systemtemperaturen der Heizungsanlage sind nach dem Abgleich erheblich geringer. Dies zeigt sich insbesondere an Heizkörpern, die im oberen Bereich heiß sind und sich im unteren Bereich sehr kühl anfassen. Sie haben also eine heiße obere Schicht, eine lauwarme Mitte und eine kältere untere Schicht. Das ist der Idealzustand, denn dann gibt der Heizkörper die optimale Wärme ab, und die tiefe Rücklauftemperatur steigert die Effizienz der Heizungsanlage. Aber gerade deswegen rufen die meisten Kunden an. Ich frage dann immer, ob die Raumlufttemperatur gemessen wurde, denn die ist entscheidend.

Welche Heiztechniken stehen beim Kunden momentan besonders hoch im Kurs?

Die meisten wollen Brennwerttechnik: einfache, verständliche Technik. Das liegt sicher auch daran, dass der Energiepreis z.B. für Gas im Moment sehr niedrig ist. Die Handwerker weisen in ihren Beratungen aber auch auf neue Technologien und Fördermöglichkeiten hin.

Die staatliche Förderung für Brennwerttechnik soll übrigens 2020 auslaufen. Deshalb kann es jetzt schon sinnvoll sein, in Hybridlösungen zu investieren, z.B. in die Kombination einer bestehenden Gasbrennwerttherme mit einer neuen Wärmepumpe. Die Wärmepumpe verrichtet über das Jahr die Hauptarbeit. Erst mit dem Absinken der Außentemperatur springt die Gastherme zur Unterstützung an. Damit hätte man weitere 10 bis 15 Jahre Spielraum. In dieser Zeit wird es den nächsten Technologieschub geben und spätere Entscheidungen beeinflussen. Für die Warmwasserbereitung im Gebäudebestand haben sich thermische Solaranlagen durchgesetzt. Wärmepumpen mit Luft-, Wasser- oder Erdwärmeversorgung kombiniert mit Photovoltaik kommen eher bei Neubauten zum Einsatz.  

Foto: © Thorsten Heideck/Innung SHK Berlin