Baukindergeld nur für Energiesparhäuser?

Dienstag, Juli 10, 2018

DEN: „Energieeffizienz sollte in die Bemessungsgrundlage des Baukindergeldes integriert werden“

Familien mit Kindern, die eine Immobilie kaufen oder bauen, sollen zukünftig vom Baukindergeld profitieren können.

Familien mit Kindern, die eine Immobilie kaufen oder bauen, sollen zukünftig vom Baukindergeld profitieren können. Rückwirkend zum 1. Januar 2018 will die große Koalition über zehn Jahre hinweg 1.200 Euro je Kind und Jahr zahlen. Vorausgesetzt das zu versteuernde Haushaltseinkommen beträgt maximal 75.000 Euro, plus zusätzlicher Freigrenze von weiteren 15.000 Euro pro Kind.

Da die weiteren Rahmenbedingungen bisher nicht abschließend konkretisiert sind, kann das Baukindergeld momentan noch nicht beantragt werden, KfW und Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI) stehen hierzu im Austausch. Aktuelle Informationen zu Bedingungen und zum Start der Antrag­stellung gibt es online unter www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Baukindergeld oder über die kosten­freie Service­nummer der KfW-Bank: Tel.: 0800 539 9006.

Baukindergeld an Energieeffizienz koppeln

Insgesamt stehen 2 Milliarden Euro bereit, diesen Finanzrahmen gilt es für die Regierung zu halten. Die eigentlich dazu vorgesehene Begrenzung der Quadratmeterzahl auf maximal 120 m² wurde wieder verworfen, allerdings soll anstelle dessen nun die Antragsfrist bis Ende 2020 begrenzt werden.
Das Deutsche Energieberater-Netzwerk (DEN e.V.) regt nun an: Warum nicht das Baukindergeld an die Energieeffizienz der neuen Häuser koppeln? Schließlich spielt der bewusste Umgang mit Ressourcen wirtschafts- und klimapolitisch ebenfalls eine große Rolle. Denn die Baukosten sind das eine. Von niedrigen Energiekosten für Heizung und Strom nach dem Einzug profitieren die Familien langfristig erst recht.

Aufhebung der Flächen-Begrenzung des Baukindergeldes richtig!

„Es ist grundsätzlich richtig, keine Flächenbegrenzung zur Bedingung für das Baukindergeld zu machen“, sagt der Vorsitzende des DEN, Dipl.-Ing. Hinderk Hillebrands. „Vor allem für Familien, die ein Eigenheim in einer ländlichen Region suchen, wäre sonst die staatliche Förderung ausgeblieben. Für den gesamten ländlichen Raum hätte diese Förderung kaum einen Sinn gemacht, da nur sehr wenige Menschen unter 125 m² bauen bzw. bauen lassen. Das ist die durchschnittliche Wohnfläche für eine vierköpfige Familie im Einfamilienhaus oder in einer Doppelhaushälfte mit drei Zimmern, Bad, Hauswirtschaftsraum, Anschlussraum, Ess-/Wohnzimmer und Küche.“

Baukindergeld nur für energieeffiziente Häuser

Das DEN regt allerdings an, die neue Förderung mit Kriterien der Energieeffizienz der bezuschussten Gebäude zu verknüpfen. „Damit würde diese Förderung zu einem bewussten Umgang mit Ressourcen beitragen, welcher wirtschafts- und klimapolitisch von größter Bedeutung ist. Die Wohnqualität misst sich nicht alleine an der Größe und Quadratmeterzahl eines Gebäudes“, schlägt der Ko-Vorsitzende des Netzwerkes vor, Dipl.-Ing. Hermann Dannecker.

Beide Ingenieure plädieren dafür, diese staatliche Förderung nicht vom Charakter der Immobilie abhängig zu machen: „Im Hinblick auf die Entspannung des Wohnungsmarktes in Metropolregionen und auf die Veränderung des Wohnens im ländlichen Raum muss ein Einfamilienhaus nicht die Wohnform der Zukunft sein. Vorausgesetzt, die Einführung des Baukindergeldes ist unumgänglich und wird anhand verschiedener Kriterien eingeschränkt, macht es mit Blick in die Zukunft derzeit nur Sinn, die Bemessungsgrundlage über die Energieeffizienz herbeizuführen. So könnte eine Bemessungsgrundlage beispielsweise über den End- und Primärenergieverbrauch pro Quadratmeter erfolgen“, sagen Hillebrands und Dannecker übereinstimmend.

Regionale Unterschiede einbeziehen

Das DEN schlägt außerdem vor, die Zuschüsse nach Stadt, Land und Region zu staffeln und sich den realen Gegebenheiten anzupassen. In der Tat sei das Bauen in der Stadt erheblich teurer als auf dem Land. Deshalb sei es sinnvoll, hier differenziert vorzugehen. Für wen sich das Baukindergeld richtig lohnt, hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) recherchiert und die mögliche Förderung für verschiedene Regionen beispielhaft ausgerechnet: www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wohnen/bauen/fuer-wen-lohnt-sich-das-neue-baukindergeld-15662233.html
Außerdem müsse die Regierung beim geplanten Baukindergeld den Bedenken des Bundesrechnungshofes gerecht werden, der sowohl die soziale Gerechtigkeit der Förderung insgesamt als auch den Bund als alleinigen Fördergeber in Frage stellt.

Weitere Familienförderungen finden Sie jederzeit kostenlos über die Online-Förderauskunft.

Foto: © S-Hofschlaeger - pixelio.de